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PostCon Blues zur Leipziger Buchmesse 2017
PostCon Blues zur Leipziger Buchmesse 2017

PostCon Blues – Reflektorgate, nackte Hasen und Animediebstahl

Ich begrüße euch ganz herzlich zu einem neuen Format: PostCon Blues – einem bunten Artikel über die Dinge, die nach einer Convention groß durch Medien, soziale Netzwerke und die Köpfe unserer Partner & Cosplayfreunde gehen. Vielleicht ist dieses Mal auch Dein Thema mit dabei? 😉

PostCon Blues

Das traurige Gefühl, wenn Du gerade auf einer Convention warst, dort Deine Freunde getroffen hast und jetzt alles vorbei ist. Anschließend verbringst Du Unmengen an Zeit auf Facebook, in Gruppen oder Foren und schaust Dir hundertfach die Erinnerungsfotos mit Deinen Freunden an.

Inhalt

Klicke auf einen der Themenpunkte, der Dich interessiert:

Reflektorgate | Nackte Hasen und der belesene Mann | Diebstahl bei KSM Anime

Reflektorgate

Auf der Leipziger Buchmesse entstehen viele Bilder in der lichtdurchfluteten Glashalle. Oft versammeln sich Fotografen dabei am Rande der Halle, da so die steinernden Wände als Hintergrund genutzt werden können – daran erkennt man auch oftmals, ob ein Bild eben dort gemacht wurde.

Nun kam es aber, dass ein Bild über den Kurznachrichtendienst Twitter die Runde machte, welches ein Setup (eines einzelnen Fotografen!) zeigt, was zu recht als „völlig überdimensioniert“ beschrieben wird:

vwpic auf Twitter: Das Setup eines Fotografen auf der LBM 2017
vwpic auf Twitter: Das Setup eines Fotografen auf der LBM 2017

Auch wir haben diesen Eintrag geteilt und die Reaktionen waren zahlreich, sowohl von Hobbyfotografen als auch Szenegrößen wie eosAndy, der auch treffende Worte fand und sich darum sorgt, dass nächstes Jahr die Fotografen massiv eingeschränkt werden:

eosAndy auf Facebook zum Reflektorgate

Alter 🙂 manche denken viel bringt viel … und nächstes Jahr schreien alle wenn man nur noch mit Akkreditierung rein kommt …Quelle »

Das zukünftig eine Akkreditierung von Nöten ist, um mit solch einem Equipment anreisen zu können, wäre durchaus denkbar – bei vielen Veranstaltungen ist so etwas in der Tat Standard.

Die Leipziger Buchmesse hat zum aktuellen Zeitpunkt keine Stellung bezogen, wir gehen jedoch davon aus, dass auch bei der nächsten Buchmesse keine Akkreditierung notwendig sein wird – solange es nicht erneut Überhand nimmt.

Gleichzeitig wird kontrovers diskutiert, ob die Massenabfertigung von Cosplayfotografie, die sich hinter solch einem Aufbau vermuten lässt, nicht die falsche Entwicklung ist. Der Look wirke oftmals steril und transportiert nicht mehr den ursprünglichen Charm des Cosplays.

Der Autor dieses Artikels meint dazu

Ich finde die Entwicklung zur Massenabfertigung erschreckend. Für viele Fotografen dienen die Bilder als Werbeträger und es geht nur darum, dass man möglichst viele Bilder an eine unzählbare Menge von Cosplayern verteilt. Auch das letzte bisschen Ausdruck wird durch übergroße Blitze, genormte Hintergründe und Posing solange aus dem Bild getrieben, bis zum Schluss lediglich eine homogene Maße aus „Standard-Con-Bildern“ bleibt. Und was der Fotograf dann nicht durch Gefühl & Location ins Bild bringen konnte … macht Photoshop.

Ob die steigende Anzahl an Fotografen, welche sich – trotz eines immens teuren und umfassenden Arsenals aus moderner Fototechnik – als „Hobbyfotografen“ bezeichnen, zukünftig Auswirkungen auf die Conventions haben wird, bleibt ungewiss.

Die nackten Hasen und der belesene Mann

Das auf Buchmessen auch mitunter Menschen unterwegs sind, die mit der Vielfalt der Kultur noch nicht vollständig klar kommen und neue Erfahrungen ablehnen, hat der zuständige SWR2-Literaturredakteur Carsten Otte eindrucksvoll unter Beweis gestellt. In einem kurzen Kommentar zur stattgefundenen Buchmesse kritisierte er, neben der augenscheinlich vorhandenen Freizügigkeit meist jugendlicher Cosplayer, die fehlende Integration in das Umfeld der doch eher ernsthaften Literaturveranstaltung.

Carsten Otte - Kein Ort für nackte Hasen

[…] Selbst wenn Verboten etwas Autoritäres anhaftet, sollten die Kostümorgien endlich von der Messe verbannt werden. Es gibt kaum noch Berührungspunkte zwischen Buchmesse und Messefasching, außer dass die verkleideten Massen die Zugänge zu den Hallen verstopfen, um sich dann aber trotzdem nicht für die Literatur zu interessieren. Diese Ignoranz hat die Buchbranche nicht nötig. […]Quelle »

Dass es durchaus Spannungen zwischen einem literarischen Publikum und Cosplayern als solches gibt, dies liegt auf der Hand. Während die einen zu Vorträgen pilgern, Autoren treffen möchten und ein gemütliches, interessantes Wochenende mit Freunden und Familie genießen, sind die anderen normale Besucher, die sich Halle 1 meist nicht einmal ansehen. Wenngleich auch nicht direkt erkennbar sein sollte, dass Cosplayer ebenfalls zu literaturbegeisterten Menschen gehören, so ist dies bei näherer Betrachtung durchaus schlüssig: Nicht selten entstammen Cosplays aus Mangas, Comics, Büchern oder Filmen.

Somit kann man die Cosplayer und Anime-Freunde durchaus voll und ganz zur Zielgruppe einer Buchmesse zählen. Und war es nicht die Buchmesse selbst, die vor einigen Jahren die begeisterten Menschen in die eigenen Hallen bat, da die „normale“ Literatur keinen ausreichenden Zulauf mehr brachte? Ist es nicht die Literaturindustrie, die seit Jahren echauffiert, dass junge Menschen nicht genug Interesse für das gedruckte Medium aufbringen würden? Wie wäre Interesse anders zu beschreiben, als durch das Cosplayen eines Lieblingscharakters?

Carsten Otte - Kulturthema vom 27.03.2017

[…] Wenn sich Kinder in farbenfrohe Kostüme werfen, kann man sich freuen, wenn Teenies vor den Fotoapparaten zumeist mittelalter Herren viel Bein und viel Brust zeigen, mag man sich wundern, aber wenn minderjährige Cosplayer Gefallen an pornographischen Posen finden, sollten Erwachsene nicht nur verschämt zur Seite schauen, sondern einschreiten. Liberale Intellektuelle wollen nicht als antiquiert, autoritär und lustfeindlich gelten. […]Quelle »

Die Betreiber distanzieren sich

Auch wenn der Autor Herr Otte mit seiner Meinung alleine steht und sowohl die Leipziger als auch die Frankfurter Buchmesse bereits klar Position bezogen haben, so ist es doch die Vermutung, dass sich minderjährige Cosplayer förmlich vor mittelalten Herren mit Kameras in pornographischen Posen „prostituieren“ würden, die das Fass in den sozialen Medien zum Überlaufen brachte.

Herrn Otte ist leider entgangen, dass die Vielzahl der Cosplayer bereits die Volljährigkeit überschritten haben, fest im Leben stehen und lediglich ein Hobby ausleben. Neben durchaus leicht bekleideten Damen (und Herren!) sind auch immer wieder Personen in umfangreichen Rüstungen zu finden, auf die jeder Ritter stolz wäre. Wenn die angesprochene „Nacktheit“ hier bereits ein Problem darstellt, so möchte man meinen, dass Herr Otte in den letzten Jahren selten die Straßen in unserer Republik auf und abgegangen ist.

Durch die massiven Reaktionen im Netz fühlte sich der Autor dazu veranlasst einen offenen Brief an die Cosplaygemeinde zu richten, der leider in vielerlei Hinsicht nicht optimal transportiert, was eigentlich ausgesagt werden sollte.

Auszug aus dem offenen Brief

[…] Es lohnt sich aber dennoch zu diskutieren, ob die Art und Weise, wie sich manche Cosplayer inszenieren, nicht im krassen Gegensatz zu den von der Buchmesse definierten Zielen steht. Tatsächlich bin ich der Meinung, dass es in einem Raum, in dem über Folter und Krieg gesprochen wird, ziemlich unangemessen ist, sich wahlweise leicht bekleidet oder in grell-lustiger Verkleidung ablichten zu lassen. Nein, es gibt kein Menschenrecht, überall in Unterhose aufzutreten, und man geht auch nicht im Sexual Fantasy Outfit auf eine Beerdigung. Das ist meiner Meinung nach stillos. Wer die Kostüme und Posen einiger Cosplayer als pseudo-pornographisch kritisiert, ist indes kein Sexist. […]Quelle »

Die selbsternannten Ziele einer Buchmesse

Die hier angesprochenen Zielen der Buchmesse, die Herr Otte erneut zu thematisieren versucht, sind in erster Linie der Gemeinschaft der Literaturfreunde gewidmet. Ebenso wenig wie Cosplayer diese Ziele vollständig für sich beanspruchen können, so kann auch der belesene Mann dies nicht. Natürlich wirkt es abstrus, wenn während harten Themen wie Krieg und Folter die bunt gemischten Menschen am Rand entlang huschen – aber ist nicht dies genau ein Zeichen unserer eigenen Freiheit und der Ziele, auf die wir soviel Wert legen?

Wir kritisieren Unrechtsstaaten, verteidigen die Menschenrechte und sind gleichzeitig nicht in der Lage die Geschehnisse der heutigen Zeit zu verarbeiten – so grausam sie auch sein mögen – während bunte und zumeist fröhliche Menschen das Bild um uns herum bestimmen? Wie ein Mensch, der in traurigen Phasen seines Lebens nach trauriger Musik sucht, so scheint der belesene Mann nach Tristesse und Grau-in-Grau zu gieren, während er Krieg, Folter und Unrecht auf sich einprasseln lässt.

Auszug aus dem offenen Brief

[…] In der überhitzten Posting-Spirale ergibt dann eine flugs getippte Hasstirade die nächste. Darüber sollte auch die empörte Szene nachdenken, die für sich stets Toleranz und Akzeptanz einfordert. […]Quelle »

So ist es wenig verwunderlich, dass die kontroversen Vermutungen und Thesen des Herrn Otte auf Widerstand stoßen. Sowohl auf seiner eigenen Facebook-Seite als auch auf der des SWR2 häufen sich Kommentare – meist freundlicher Natur, die dem Autor vor Augen führen, welche Fehleinschätzung seinerseits begangen wurde. Leider gibt es auch Stimmen, die ihre Meinung in weniger freundliche Worte fassen und so zu der – berechtigten! – Kritik führen, dass die Wortwahl verroht und man Toleranz nur dann einfordern kann, wenn man sie auch selbst lebt.

Dennoch zeigt sich der Redakteur hier von Materie umgeben, die er nicht recht überschauen kann. In einer Selbstreflexion wäre schnell klar geworden, dass die zuvor aufgestellten Thesen ebenfalls einen Angriff gegen eine Gruppe darstellen, mit der sich der Autor nicht länger befasst hat. Und auch an der Wortwahl kann man arbeiten. So wirkte der Beitrag als wolle der elitäre Kreis der Literaturfreunde sich vehement gegen das bunte Treiben der Manga-Comic-Con wehren. Schade, denn hierbei ging viel Potenzial verloren, welches durchaus ein spannendes Thema hätte werden können.

Die Meinungen im Netz

Die Autorin Magarete Stokowski schreibt auf Spiegel Online zu dem Thema, dass die Ernsthaftigkeit der Buchmesse keinesfalls durch die „verkleideten Teenager“ gefährdet sei und reiht sich damit in eine Gruppe der Leute ein, die auch weiterhin Elfen, Ritter und andere Charaktere auf der Messe bewundern wollen.

Der Chef der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille, findet im MDR prägnante Worte für die Berichterstattung des SWR-Literaturredakteurs Carsten Otte:

Buchmessechef Oliver Zille meint dazu

Man darf auch den kostümierten Menschen unterstellen, dass sie politisch interessiert sind. Das sieht man daran, dass sie in verschiedenen Veranstaltungsformaten auftauchen. Das ist zu kurz gesprungen!Quelle »

Den Vorschlag Ottes, dass Buchmesse und Manga-Comic-Con zukünftig getrennte Wege gehen sollten, wies Herr Zille entschieden zurück. Es sei nicht im Interesse der Buchmesse, wenn bestimmte literarische Kreise ausgeschlossen würden.

Die Kollegin Laura Birnbaum von Teilzeithelden.de äußerte sich ebenfalls zu den aktuellen Vorfällen innerhalb der Szene und wies daraufhin, dass es mehr als wichtig sei, dass die Szene bedacht agiert und aus einfachen Problemen keine hollywoodreifen Dramen erschafft. Koexistenz ist möglich, gewünscht und sollte unser aller Ziel sein.

Diebstahl bei KSM Anime

Die Kollegen von KSM Anime hatten ebenfalls keine gute Woche auf der Leipziger Buchmesse. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde nahezu der gesamte Stand verwüstet und alle Waren geklaut, welche noch vor Ort lagerten. KSM Anime bittet um eure Mithilfe, falls ihr Produkte auf Shopping-Seiten wie eBay Kleinanzeigen oder Shpock wiedererkennt.

Diebstahl und Verwüstung bei KSMAnime
Diebstahl und Verwüstung bei KSMAnime

Hinweise bitte direkt an KSM richten, Kontaktdaten findet ihr hier auf Facebook.

Ein guter Start

Auch wenn die ersten beiden Themen zeigen, dass in der Szene der Cosplay, Anime, Manga und Otaku-Freunde nicht immer alles so fröhlich ist, wie man meinen könnte, so beweisen sie doch auch, dass es nie langweilig wird. Unsere Cosplay-Szene befindet sich in einem stetigen Wandel und eckt auch manchmal an – doch die Leipziger Buchmesse ist nicht zu Unrecht der Start in eine erfolgreiche Cosplay-Saison!

Über Aaron

Aaron
Kein Cosplayer, kein Fotograf - doch trotzdem verliebt in die Szene. Als Gründer von Cosvalley schreibe ich hier ab und an längere Berichte oder einfach nur kurz & prägnant meine Meinung. Das mag nicht jedem passen, aber so ist das Leben ;-)

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4 Meinungen dazu

  1. Man, da habe ich ja einiges verpasst 😀 Ich war noch nie auf der LBM, aber jetzt habe ich fast Lust nächstes Jahr hinzugehen…(und die Versuchung ist groß zu schreiben, dass ich als nackter Hase gehe…auch wenn ich das nie machen würde xD)
    Wenn man keine Probleme hat, schafft man sich selbst welche…FirstWorldProblems und so. Aber so viel Aufmerksamkeit hatten SWR2 und Herr Otte wahrscheinlich schon lange nicht mehr 😉
    Auf jeden Fall ein informativer Artikel, also danke, Aaron und liebe Grüße!

  2. Ergänzung: Der gute Mann argumentiert ständig mit diesen zwei Gegenpolen: Nackter Hase vs. Folter. Ist ja nicht so, dass noch andere Charaktere gecosplayed werden oder es auch noch andere Beiträge außer zum Thema Folter gäbe.
    Können wir recherchieren, wann Herr Otte auf einer öffentlichen Veranstaltung ist und einen Flashmob mit nackten Hasen organisieren? 😀 Oder ist das zu kindisch? Ich stelle mir seinen Gesichtsausdruck vor, das wäre urig 😀
    So und jetzt ist es Zeit für mich ins Bett zu gehen…ich lese noch ein Buch (ohne Bilder oder Comics) und erziehe morgen Kinder im Kindergarten. Ich hoffe, die Kleinen überleben den Kontakt zu einer Gelegenheits-Cosplayerin wie mir.
    Gute Nacht 😉

    • Admonstrator

      Ich fände es zwar lustig, aber im Großen und Ganzen ist kindisch vermutlich die treffender Bezeichnung. Wenn man sich mit Herrn Otte weiter auseinandersetzt, stößt man u.A. auf sein Buch „Der gastrosexuelle Mann“ ( http://www.carsten-otte.com/buch/der-gastrosexuelle-mann )

      Der Autor bricht also mit dem klassischen Bild, dass Männer nie kochen – gleichzeitig präsentiert er uns hier ein Bild, in dem „nackte Hasen“ nicht zu einem ernsten Thema wie der Buchmesse passen würden, finde ich komisch …

      • Naja… so richtig seltdam ist der wiederspruch zwischen „mit tradition und klischees brechen“ aber andere verurteilen, die das tun nicht.

        Das tun die meisten menschen und selbst sehr offen, tolerante tun das hier und da. Der Mensch ist halt in vielen Fällen sehr Ich-bezogen. „Was ich mache ist in ordnung. Aber was die machen… das geht dann doch zu weit.
        Dazu zieht jeder Grenzen anders. Oder erklärt sich seine welt anders. Ein mann der kocht kann für sich seine feminine seite entdeckt haben, er kann totaler chauvinist und sexist sein („Männer waren schon immer die besseren Köche! Wieso sind Chef- und Sterneköche sonst meist männer?!“) oder irgendwas dazwischen oder sich einfach gar keine gedanken zu seiner Position machen. („Kochen macht mir halt Spass. Na und?“)

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