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Rüstungen mit Fußbodendämmplatten

Kennt ihr das auch? Ihr wollt eine Rüstung bauen, sie ist groß, braucht also viel Material und trotzdem wollt ihr nicht euer ganzes Erspartes in sie hinein stecken?
Leider sind Materialien wie Worbla sehr teuer, aber man muss den Preis für seinen Traum der eigenen Rüstung zahlen, ansonsten bleibt nichts anderes übrig, oder?

Nein.

Vor ungefähr zwei Jahren sind eine Freundin und ich auf eine kleine Entdeckung gestoßen, die nur wenigen bekannt zu sein scheint. Wir benutzten sogenannte Fußbodendämmplatten, ein Material, dass von seiner Beschaffenheit her an Styropor erinnert, aber wesentlich feiner ist. Bei einem Preis von circa 15 Euro für 10 Platten a 1 Quadratmeter kann man aber nun wirklich nicht meckern, obendrein sind sie in jedem Baumarkt erhältlich. Und das Resultat ist wirklich gelungen:

 

Ganondorf von _olles_insta (Instagram); Foto von Violet Terrell Cosplay (Facebook)

 

Also haben wir Rüstungen gebaut. Allerdings gibt es ein paar Tricks, auf die man bei der Arbeit mit den Dämmplatten achten muss. Da sie sehr dünn sind verleiten sie dazu schnell zu brechen. Ein einfacher Trick, der sich mehr als nur bezahlt macht: Panzertape.

 

 

Materialien

 

  • Schnittmuster
  • Stifte
  • Fußbodendämmplatten
  • Skalpell
  • Panzertape
  • Tapetenkleister
  • Ausgelesene Zeitungen
  • Pinsel
  • Farben

 

 

 

Schritt 1.

Zu Beginn haben wir natürlich Arme, Beine und Oberkörper abgemessen und uns Vorlagen auf Papier gemacht. Diese kann man ganz einfach auf den Dämmplatten fixieren, skizzieren und danach mit einem Skalpell ordentlich ausschneiden. Wenn man eine besonders dicke Rüstung möchte, wie bei Ganondorf, die schon ordentlich Eindruck machen soll, nimmt man die entsprechenden Teile doppelt, oder auch schon dreifach. Danach werden sie mit Panzertape aneinander geklebt.

 

Ganondorf Brustpanzer

 

Schritt 2.

Die Stücke der Rüstung müssen nun mit Panzertape überzogen werden. Das macht das Material biegsam wie Gummi, es verhindert, dass es bricht und ihr könnt es in die richtige Form drücken. Natürlich gibt es auch hier eine Toleranzgrenze, aber sie liegt wesentlich höher, als vorher. Ihr könnt also getrost eure Rüstungsteile auch mal fallen lassen und auch einen Transport in einem Koffer überstehen sie ohne Probleme, was mich wirklich gefreut hat (wir haben es getestet, sogar werfen funktioniert :D).

 

Ganondorf Stiefel

 

Schritt 3.

Natürlich gibt es Rüstungen, die nicht nur aus einer geraden Fläche besteht. Da gibt es verstärkte Kanten, kleine Ornamente und Wappen. Diese sind auch einfach hergestellt. Sollten diese Verzierungen flach sein, könnt ihr auch diese einfach mittels Dämmplatten und einer Schicht Panzertape anbringen. Sollten sie aber zu dünn sein, um sie einzeln mit dem Skalpell auszuschneiden und dann auch noch so zu fixieren, dass jede Ranke zu sehen ist, müsst ihr euch anderweitig aushelfen. Jetzt könntet ihr euren Vorrat Worbla anbrechen und nach dem nächsten Schritt auftragen. Oder ihr greift zu eurer treuen Heißklebepistole und fügt die Verzierungen mit Heißkleber hinzu. Worbla wäre natürlich die ordentlichere Variante.

 

Zelda Armrüstung; Verzierung mit Heißkleber

 

 

Schritt 4.

Habt ihr alles mit Panzertape ummantelt und in der richtigen Form fixiert, würde ich euch zu einer Schicht Pappmaschee raten. Eine Schicht reicht hierbei vollkommen aus, sie dient nicht der Stabilität, sie fixiert nur die Rundungen, die ihr vielleicht vorher hinein geschnitten habt und ebnet die Kanten, die das Panzertape hinterlassen hat.

 

Schritt 5.

Ab jetzt kommt das allgemein bekannte: Das Anmalen.

Wer eine Airbrush hat, ist fein raus und kann nach der Grundierung (weiß für helle Farben, schwarz für Dunkle) mit sanften Zügen seine Rüstung ansprayen. Die Restlichen greifen zu Pinsel und Farbe und bemalen sie, wie erwünscht.

Et voila, eure Rüstung ist fertig.

 

 

 

Diese Methode hat sich meiner Meinung nach bewährt und wenn man die Rolle Panzertape, die Farben, Zeitung und Tapetenkleister miteinrechnet, liegt sie immer noch unter dem Preis, den man für eine Worbla Rüstung zahlen müsste.

Trotzdem gibt es auch ein paar Punkte, die von dem Gebrauch abraten, die ich euch auflisten möchte, damit ihr genau entscheiden könnt, ob euch dieses Material zusagen könnte. Denn auch ich musste aus eigener Erfahrung feststellen, dass Dämmplatten und Panzertape nicht immer die Antwort auf Alles sind:

 

  1. Fußbodendämmplatten sind nicht hitzeresistent. Wenn ihr kleine Stücke mit der Heißklebepistole fixieren wollt, schmilzt euch das Material. Auch bei mehreren Lagen würde ein Loch entstehen. Allerdings kann man dies vermeiden, indem man die anzuklebende Seite mit etwas Panzertape beklebt, das hält nämlich super der Temperastur des Klebers stand und ihr könnt so viel verzieren, wie ihr möchtet.
  2. Fußbodendämmplatten sind nicht geeignet für feine Verzierungen.
  3. Freistehende, dünne Elemente sind schwer in einer runden Form zu behalten. Allerdings ist es nicht unmöglich! Auf dem untenstehenden Bild seht ihr meinen ersten Versuch mit ebendiesen Dämmplatten. Wie ihr erkennen könnt, sitzen die Schulterplatten nicht richtig, da sie sich nicht an meine Schultern anpassen konnten und nur locker obenauf saßen. Mein Fehler lag allerdings darin, dass ich sie wohl vor der Pappmaschee Schicht zu wenig in Form gehalten hatte und das Pappmachee in der falschen Form trocknete. Wie ihr an meinen Beinstulpen erkennen könnt, die hinten offen sind, funktionierte es hier wiederum sehr gut, da ich meinen Fehler bemerkt hatte.
  4. Das Material hält warm! Perfekt für eine Rüstung im Winter. Da die meisten Cons aber im Sommer stattfinden, schwitzt man schon ein wenig. Dann stellt sich aber wiederum die Frage, ob eine Rüstung aus einem anderen Material nicht genauso warm ist. Fakt ist: Cosplayer tragen selten ein Kostüm, dass dem Klima entspricht.
  5. Es ist nicht so anpassbar an den Körper, wie eine Rüstung aus Worbla, die man sich auf den Leib „schneidern“ kann. Wenn es aber darum geht, einfach nur eine beeindruckende, mächtige Rüstung zu haben, wirkt es meiner Meinung nach wesentlich imposanter.

 

 

Zelda von Violet Terrell Cosplay; Foto von FragmasterXs (Facebook)

 

 

Doch bevor ich euch das Material verderbe, gibt es noch ein paar Punkte, die definitiv dafür sprechen:

 

  1. Fußbodendämmplatten sind mit Panzertape und einer Schicht Pappmachee super elastisch und können demnach leicht an und ausgezogen werden. Wenn ihr eure Rüstung ein paar Mal getragen habt, könnt ihr euch auch gut darin bewegen, da das Pappmachee dann ebenfalls weicher wird, ohne zu brechen.
  2. Die Dämmplatten sind super leicht und deswegen komfortabel zu tragen. Vor allem da es sich weich anfühlt und keine scharfen Kanten bekommen kann.
  3. Ihr braucht kein aufwendiges Equipment, wie einen Heißluftfön zur Verarbeitung und deswegen eignen sich die Dämmplatten besonders gut für Neueinsteiger, die sich noch kein gewaltiges Arsenal angelegt haben.
  4. Daran schließt sich an, dass auch „Low Budget Cosplayer“, also Cosplayer, die nicht besonders viel Geld übrig haben, sich eine tolle Rüstung leisten können.
  5. An den Verarbeitungsschritten steht es einer Rüstung mit Worbla in Nichts nach bzw. ist nicht aufwendiger.
  6. Die Dämmplatten eigenen sich auch gut für ein Futter für eine Rüstung aus Stoff. Wenn ihr zum Beispiel ausladende Schulterpolster haben wollt, könnt ihr diese aus den Dämmplatten basteln und einfach mit Stoff überziehen.
  7. Sollte ein Rüstungsteil doch mal brechen, was mir aber noch nie vorgekommen ist, sind sie einfach zu reparieren. Tatsächlich wollte ich einen meiner Arme für Zelda zerschneiden und habe es nicht hinbekommen, da das Panzertape zu fest war. Daran erkennt man auch, wie langlebig so eine Rüstung sein kann und ihr müsst nicht immer aufpassen, dass sie kaputt gehen könnte.
  8. Obwohl die Dämmplatten die Hitze einer Klebepistole nicht aushalten, wird die fertige Rüstung heißem Wetter gut standhalten. Wenn ihr die Farbe versiegelt, was ihr bei jeder Rüstung tun solltet, wird das Material auch Regen stand halten.

 

 

Mein Fazit dazu ist, dass Fußbodendämmplatten wirklich nützlich sind! Man sollte das Mittelmaß finden und wissen, welches Material für welche Rüstung am Besten geeignet ist. Ich habe für mein Zelda Cosplay herausgefunden, dass mir Worbla besser half, aber wenn ich mir das Ganondorf Cosplay ansehe weiß ich, dass es nur durch die Dicke des Materials Wirkung bekommen hat. Außerdem muss man sich nicht nur auf die Rüstung beschränken, sondern kann auch Waffen damit zaubern.

Und somit verabschiede ich mich für heute mit einem letzten Bild, auf dem ihr den Hylia Schild und das Master-Schwert von Link bewundern könnt, die ebenfalls aus diesem praktischen Material bestehen.

 

Hergestellt von _olles_insta und Violet Terrell Cosplay; Foto von Violet Terrell Cosplay

Über Violet Terrell

Violet Terrell
Meine Reise durch das Cosplayuniversum habe ich 2012 angetreten und bin immer noch mit Feuer und Eifer dabei. Wenn ich nicht gerade in Meterweise Stoff ertrinke, schreibe ich am liebsten und gerade deswegen freut sich auch mein kleines Autorenherz, das ich für Cosvalley bloggen darf. Cosplay ist ein wunderbares Hobby, in dem man seine Kreativität ausleben kann und ich freue mich, meine Erfahrungen, Erfolge und bestimmt auch Missgeschicke mit euch teilen und austauschen zu können.

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9 Meinungen dazu

  1. Hm, also ich finde, dass alles ziemlich unsauber aussieht oder täusche ich mich da? Wie soll man denn mit Panzertape eine glatte Oberfläche erzielen? Das erschließt sich mir nicht so ganz. Blöd finde ich auch, dass das Material nicht hitzeresistent ist. Ich weiß nicht, ob es besser aussieht wenn es mehrfach bearbeitet wurde, also die Oberfläche, aber dieser Artikel macht mir das Material nicht gerade schmackhaft. Schade, da ich mich gerade nach einer Alternative für mein Schwert umgesehen habe.

  2. Violet Terrell

    Hallo, Shiyou,

    Nein, das Panzertape macht keine glatte Oberfläche, sondern das Pappmachee. Auf den WIP Bildern sieht alles sehr unordentlich aus, das gebe ich zu, aber wenn du dir das Ganondorf Cosplay und Links Schwert und Schild anguckst, sollte es ordentlicher wirken.
    Gegen die Hitzeresistenz kannst du einen kleinen Streifen Panzertape auf die Unterseite kleben, dann hält das Material jeder Hitze stand, die du es aussetzen möchtest.
    Ich weiß, dass der Artikel die Dämmplatten nicht in den Himmel lobt und das war auch niemals meine Intention. Ich möchte euch so ehrlich wie möglich meine Erfahrungen mitteilen, damit ihr nicht super gehyped seid, euch einen riesigen Vorrat anlegt und dann enttäuscht seid, das würde mir mehr leid tun, als nun manche Leser abzuschrecken.
    Es ist schade, dass du zu denen gehörst, aber wenn du noch weitere Fragen hast, damit du wirklich sicher sein kannst, kannst du mir gerne jederzeit eine Frage stellen 🙂

    • Naja, EVA Platten sind da eine genauso günstige, wesentlich saubere und weniger aufwendigere Methode. Mag zwar alles günstig sein und für das ein oder andere Teil am Cosplay okay sein, aber wenn man seinen Fokus nur darauf legt sein Cosplay so günstig wie möglich herzustellen spiegelt sich das auch in der Qualität des Cosplays wieder. Trotzdem eine interessante Idee 😉

      • Violet Terrell

        Das mag man sehen, wie man möchte, ich persönlich bin auch wieder auf Worbla umgestiegen, ich wollte nur ein Material vorstellen, mit dem man ebenfalls arbeiten kann und meine Waffen würde ich immer noch damit basteln, ich möchte ja nur so genau wie möglich informieren, ich bin ja keine Verkäuferin? EVA habe ich noch nie ausprobiert, sollte ich vielleicht auch mal machen ?

      • Anonchi

        Ich hab damals auch mit solchen Dämmplatten angefangen, bevor ich mich an EVA/Worbla getraut habe 🙂 und ich finde besonders für Anfänger ist das super, um sich selbst zu erproben, bevor man viel Geld in andere Materialien steckt. Viele Cosplayer fangen mit Pappmaché und ähnlichem an, das zerschnippelt man am Anfang lieber und probiert ein wenig mit den Formen herum.
        EVA/Worbla finde ich persönlich für Anfänger (die sich nicht ausgiebig in Tutorials einlesen) schwieriger. Und für manche Teile greife ich heute noch zu den Dämmplatten 😉

        Was das saubere Arbeiten angeht. Das geht auch mit dem Panzertape, wenn man entsprechend Holzleim/Grundierung drauf macht (wie es auch bei anderen Materialien ist) kann das ganze noch sauberer aussehen. Das ist immer eine Frage der persönlichen Einschätzung (reicht mir das auf der Oberfläche).

        • Die Cosplayszene ist heute aber wesentlich anspruchsvoller und ich kenne mittlerweile kaum einen Anfänger mehr der mit Pappmaché beginnt – ehrlich gesagt kenne ich außer Kamui niemanden und das ist schon sehr lange her. Nach 10 Jahren in der Szene macht sich das schon bemerkbar. Dank der vielen tollen Bücher und Blogs steigen viele gleich auf ProFoam, EVA und/oder Worbla um und legen somit die Messlatte entsprechend hoch. Neueinsteiger arbeiten teilweise mittlerweile besser als Leute, die 2011/2012 noch angefangen haben.

          Das ist nur meine persönliche Einschätzung – ich bin ja erst 10 Jahre in der Szene^^

          • Violet Terrell

            Ja, da hast du Recht, es gibt mittlerweile sehr hohe Ansprüche an die Cosplayszene, aber wiederum auch viele Leute, die denen nicht stand halten können und dann erst gar nicht anfangen wollen, aus Angst, man würde sie belächeln. Jeder lernt in seinem eigenen Tempo dazu und das sei ihm auch von Herzen gegönnt. Ich bin erst seit 2012 dabei und wie du sagtest bei Weitem nicht so gut, wie bekannte Namen, oder manche, die nach mir mit dem Cosplay angefangen haben, aber das ist okay. Mir macht es Spaß und ich werde mich nicht von einem Wettbewerb anstecken lassen. Und so denken auch die Cosplayer, die ich kennen gelernt habe. Sie wollen an ihren Aufgaben wachsen, alles ausprobieren, Fehlschläge hinnehmen, solange es sie nicht finanziell ruiniert. Und wenn ich daran denke, was für ein Highlight das Ganondorf Cosplay auf Conventions war und selbst meine Zelda Rüstung, dann ist es mir auch egal, ich habe meine schönen Erinnerungen gesammelt und das Gefühl gehabt, dass es ein Erfolg war 🙂

          • Anonchi

            Also ich bin erst seit 2013 in der Szene und arbeite seit 1.5 Jahren erst mit Worbla/EVA. Und ich kenne viele, die noch immer mit Pappmaché arbeiten entweder weil sie sich nicht trauen andere Materialien zu probieren oder weil sie die Herausforderung darin sehen aus Pappmaché etwas geiles zu schaffen. Das ist zumindest meine Erfahrung 🙂 und ich denke an diese Personen ist der Eintrag gerichtet.

  3. Violet Terrell

    Shiyou, ich habe noch eine kleine Änderung vorgenommen. Nachdem ich den Blog nochmal gelesen habe ist mir aufgefallen, dass diese Kontra Liste wirklich erschlagend ist, während die Positiven Punkte in dem Text verteilt sind. Deswegen habe ich noch eine Pro Liste hinzugefügt und hoffe, dass es sich nun besser liest 🙂

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