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Rize
Einer meiner Beiträge zu #MangaBeauties; Foto von Ookamizukin Cosplay

Cosplay im Internet: #MangaBeauties

Hallo alle zusammen!
Aus noch recht aktuellem Anlass gibts heute mal einen kleinen Bericht der indirekt mit dem Japantag zusammenhängt – aber noch viel direkter mit der Social Media Plattform Twitter und der deutschen Cosplaycommunity.

Twitter, für alle, die es nicht kennen, ist eine Plattform, auf welcher man Texte von maximal 140 Zeichen und 4 Bildern pro Tweet (pro Eintrag) posten kann. Man kann anderen folgen und hat dann deren Tweets in seiner Timeline chronologisch aufgelistet. Ob man einen öffentlichen oder privaten Account besitzt, ist natürlich jedem selbst überlassen. Man kann zudem Hashtags zu seinen Tweets hinzufügen und andere, die nach diesem Hashtag suchen, finden diese Tweets dann (vorausgesetzt man hat einen öffentlichen Account).

Am vergangenen Samstag war der Japantag in Düsseldorf.
Jedes Jahr tummeln sich haufenweises Zivilisten, szeneinterne Menschen und natürlich auch Cosplayer in Düsseldorf um die Shows zu genießen, japanisches Essen zu schlemmen, die japanische Kultur besser kennen zu lernen oder einfach nur um Freunde zu treffen und zusammen zu sein.
Auf Twitter kamen plötzlich, aus einer deutlich rechten Ecke wie ich behaupten mag, ein paar abfällige Kommentare darüber, wie die ‚Asiaten ja Deutschland unterschwellig übernehmen wollen‘. Und dass ‚die ganzen Mangamissgeburten ja darauf hereinfallen‘.
Neben dem Hass, der gegen Japaner selbst geht, wurden auch Cosplayer mit ins Boot gezogen und beleidigt.
Und wir reden hier nicht nur von ‚die sind dumm/scheiße/hässlich’….
Unter dem Hashtag #MangaMissgeburten wurde auf Twitter ein Shitstorm gegen die Anime- und Mangaszene ausgelöst, der nicht nur intolerant, sondern auch deutlich menschenverachtend und -hassend war.
Folgende Tweets sind beispielsweise genau so veröffentlicht worden:

„#mangamissgeburten nehmen uns Deutschen die Arbeit weg“
„Hoffentlich entgleist der Zug voll #MangaMissgeburten wenn er zum #Japantag fährt“
„#MangaMissgeburten gehören alle verbrannt“
„Kim jong un sollte eine Atombombe auf sie werfen #MangaMissgeburten“
(Ich habe bewusst auf Screenshots usw verzichtet und hoffe, dass die Sachen lieber schnell gelöscht werden.)

Die abfälligen Kommentare über ‚Manga-Missgeburten‘ werden nur noch durch die deutlich rechtsextremen Hints übertroffen.
Es heißt sogar ‚Raus aus Deutschland‘ ‚Im Dritten Reich hätte es sowas nicht gegegeben‘ ‚Los, vergaßen!‘.
Da der ‚Erschaffer‘ dieses Hashtags allerdings selbst rechtsextrem sein soll, sind diese Kommentare ja nicht verwunderlich.
Leider konnte ich den ersten Tweet dazu nicht mehr finden – entsprechender Account wurde allerdings leider noch nicht gelöscht.

zyan
Der Anfangstweet zum Hashtag #MangaBeauties

Anfangs reagierte die Anime- und Mangaszene in Deutschland wie ein getretener Hund.
Aggressive und beleidigende Komentare kamen auch aus unserer Richtung.

Eine Cosplayerin hat daraufhin einen Gegenhashtag gestartet:
Zyan_Kaali twitterte, dass man doch lieber einen neuen Hashtag nutzen sollte und nicht den, der die Cosplayer selbst beleidigt.
Und diese Idee war gut.
Der negative Hashtag wurde nicht mehr unterstützt und ein neuer Trend, voller positiver Energie, entstand.

Ookamin
Tweets dieser Art gab es massenweise.

Unter dem Hashtag #MangaBeauties haben unzählige deutsche Cosplayer ihre schönsten Cosplayfotos getwittert, um zu zeigen, dass Cosplay ein facettenreiches und wundervolles Hobby ist!
Und nach kurzer Zeit waren die bösen Worte fast komplett vergessen und aus dem anfänglich negativ behafteten Verhalten wurde eine Demonstration dessen, was Cosplay für uns alle bedeutet und was es uns gegeben hat.
Viele haben dazugeschrieben, wen sie durch Cosplay kennen gelernt haben, welche tollen Erlebnisse sie hatten und was sie alles lernen konnten. Es war ein ziemich großer Sprudel und hat viele mitgerissen – auch die, die erst gar nichts von der negativen Vorgeschichte mitbekommen haben.
Innerhalb kürzester Zeit schon war meine Twitter-Timeline übersäht mit vielen, verschiedenen, wunderschönen Bildern und Zitaten.

Ich hab mit ein paar Cosplayern gesprochen, welche sich auch für mich zu dem Umstand geäußert haben. Auch wenn ich mich sehr freue, dass diese alle meine Meinung teilen, betrübt es mich dennoch, dass ich euch nicht jede Facette dieses ‚kleinen Krieges‘ zeigen kann.
Es gab nämlich durchaus auch szeneinterne Menschen, welche gegen #MangaBeauties waren.
Manche fanden es lächerlich, andere waren einfach der Meinung, sich nicht provozieren zu lassen, wäre die bessere Lösung.
Ich bin der Meinung, dass man sich gegen Unrecht ruhig mal wehren darf, was wir auch gemacht haben – auf eine friedliche und sehr schöne Art und Weise.
Aber ich möchte euch die Meinungen anderer dennoch nicht vorenthalten.

Als erstes Anna von Sunfire Cosplay

Anna als Tifa; Foto von Cowslip
Anna als Tifa; Foto von Cowslip

„Als ich von diesem HassHashtag erfahren habe, was ich erstmal nur überrascht und ein wenig angenervt. Ich war gerade beim Abwaschen und meine Freundin hat es nur kurz umrissen. Als ich dann später selber in den Hashtag gesehen habe, war ich schockiert und die Angst ist in mir aufgestiegen. 
Wenn so viele Menschen Hass empfinden, kann dann was passieren? Wieso hassen mich Menschen, die nicht einmal wissen dass ich existiere? Ist die Menschheit wirklich schon so weit gekommen? Das dritte Reich wieder auf dem Vormarsch?
Doch dann kam der Hashtag #MangaBeauties. Den Namen find ich – bin ich ganz ehrlich – nicht optimal gewählt, denn alles, was wir sind und tun auf ‚Manga‘ zu generalisieren, finde ich nicht so passend. Aber de Verpackung ist nicht wichtig, denn der Inhalt zählt.
Mich haben diese ganzen Menschen, die öffentlich dazu stehen, dass sie cosplayn – ja, auch vor den ganzen Hatern – berührt, das hat mir Mut gemacht, das lässt mich mich sicher fühlen.
Unsere Szene hält noch etwas zusammen – etwas an dem ich manchmal zweifle. Das beruhigt mich ungemein und es war so inspirierend, die ganzen Bilder zu sehen, die Worte zu lesen und zu sehen wie selbst Menschen, die sich im Cosplay nicht immer wohlfühlen und sich selbst nicht als schön sehen, ihre Bilder öffentlich geteilt haben und stark gemacht haben.
Das alles gibt mir die Kraft, diesen Hass zu vergessen und wieder zu sein, wer ich bin. Denn das ist es, was Cosplay mir gegeben hat.
Selbstvertrauen, die Kraft, meine Probleme anzugehen, mich selbst auszuprobiere und auch meine inneren Dämonen zuzulassen und ein Stück weit zu akzeptieren. Wir sind Menschen, wir leben in Deutschland, wir sind vielleicht nicht wie alle Anderen, aber genauso viel wert und niemand hat das Recht uns zu hassen, nur weil wir unser Leben leben.“

Vaeki hat mir dies hier mitgeteilt:

vaeki
Vaeki: ‚Hass macht nicht stark, Liebe tut das!‘

„Als ich heute auf Twitter diesen echt uncoolen Hashtag gesehen hab, dachte ich mir…  Ernsthaft jetzt? Wieso? Nur wegen dem Japantag?
Klar, viele Leute verstehen das nicht und es ist allgemein bekannt, dass etwas, was die Leute nicht verstehen, erstmals mies gemacht oder sogar ‚verfolgt‘ wird. Trotzdem kann ich das in der heutigen Zeit kaum noch verstehen, dass etwas, das andere Leute wirklich lieben, so schlecht gemacht werden muss, dass sogar so krasse Kommentare kommen wie ‚#MangaMissgeburten müssen verbrannt werden‘.
Das ist im Grunde Volkshetzte und sollte in keinster Weise toleriert werden, auch wenn es eventuell als Troll gestartet hat.
Dafür finde ich den Gegenhashtag leider geil. So viele Cosplayer und Anime/Manga-Freunde haben sich zusammengeschlossen und zeigen ihre Liebe für ihr Hobby und dieses Genre, dass man es richtig spüren kann. Kaum (oder zumindest habe ich eigentlich keine gelesen) böse Kommentare gegen den fiesen Hashtag, einfach nur tolle Bilder, die die Leidenschaft der Menschen zeigen und was daraus so Tolles entstehen kann.
Für mich ist das schon fast keine Gegenbewegung mehr, sondern einfach nur ein klares Statement: ‚Ich liebe Anime/ Manga/ Cosplay und ich steh dazu!‘
Zusätzich auch noch, was alles Gutes dabei passieren kann; ‚Ich hab meine besten Freunde durch mein Hobby kennen gelernt‘ – was ja nicht nur in der Anime- und Manga-Szene vorkommt, sondern in JEDER Fancommunity.
Jeder mag irgendetwas total gerne und findet dann darüber tolle Leute, mit denen man sich austauschen kann; ob nun mit Cosplay oder ohne ist dabei nicht relevant.
Nur, dass es halt in diesem Falle die Anime- und Mangaliebhaber und Cosplayer getroffen hat.
Allerdings zeigt sich mal wieder, wie haltlos diese Hetze ist, keine Stunde, nachdem #MangaMissgeburten in den Trends war, haben die #MangaBeauties es auch geschafft und sogar die ‚Hater‘ in den Trends auf Twitter überholt!
Hass macht nicht stark, Liebe tut das!“

 

Pon
KitsuPon als Eli Ayase; Foto von Zhenya

Und als letztes noch ein paar Sätze von KitsuPon

„Eigentlich gehöre ich – mittlerweile – zu den Menschen, die sich aus Community- und Szene-Anfeindungen heraushalten, allerdings haben mich die Ereignisse gestern getroffen und ich habe ein wenig Senf dazu über.
Community Zugehörigkeit und Zusammenhalt ist so eine Sache. Ich denke, wir sind uns da alle einig, dass es in der deutschen Cosplay Community einige sehr unschöne Dinge und auch Spannungen gibt. Nicht jeder kommt mit jedem klar und es gibt Konkurrenzdenken. Hand aufs Herz, jeder hat schon mal einen anderen Cosplayer mit dem gleichen Kostüm gesehen und sich gedacht: ‚Boah ne, das geht so gar nicht, das hab ich aber viel besser umgesetzt.‘.
Und um Gottes Willen, das ist nichts Verwerfliches. Es liegt in der Natur des Menschen, Erfolg anzutreben.
Genauso, wie es in den Genen liegt, individuell zu sein, sich Anerkennung zu wünschen und eben nicht mit jeder Person gut befreundet zu sein.
Dennoch denke ich, wir übertreiben hin und wieder und provozieren Stress, welcher nicht nötig wäre. Das hab ich stark letztes Jahr auf der Animecon in Den Haag gemerkt. Grade, was Love Live Cosplays betrifft. Die niederländischen Cosplayer sind auf mich zu, wollten Selfies mit einem, wir wurden zum gemeinsamen Love Live Karaokesingen eingeladen und wir haben einfach nur über unsere Fandoms gequatscht.
Es war wunderschön.
Und es waren ehrliche Komplimente, man hat einfach gemerkt, wie sehr sie sich gefreut haben, Verbündete zu finden.
Ich habe heute noch Kontakt mit einigen Freunden von dort. Das ist etwas, was ich ein bisschen vermisse. Das wir die Community internen Spannungen mindern und einfach wieder Spaß an der Freude haben und nicht alles zu ernst nehmen.
Und ich bin mir sicher, wir schaffen das. Weil wir können, wenn wir wollen! Das haben wir gestern bewiesen. Wir haben uns gegen die negativen Anschuldigungen und Kommentare gewehrt und gezeigt, wie viel uns Cosplay bedeutet! Was wir gelernt haben. Wen wir getroffen haben. Wie viel Liebe in diesem Hobby steckt und wie viel Gemeinschaft. Gestern haben wir Hand in Hand gegen die Negativität online angestanden. Ich war sehr stolz auf uns, ein großes Danke an die Person, die den #MangaBeauties Hashtag initiiert hat. Lasst uns weiter Hand in Hand gehen und uns nicht von solchen Menschen unser Hobby, unsere Leidenschaft kaputt machen!“

 

dcm
Die DCM reagierte auf Twitter ebenfalls.

Aber nicht nur Cosplayer haben sich stark gemacht.
Sogar die DCM hat Ihren Senf dazu gegeben und die #MangaBeauties unterstützt.
Anfänger, Veteranen, bekannte und unbekannte Cosplayer haben sich zusammen gegen den Hass zur Wehr gesetzt und – wirklich – am Abend war keine Spur mehr von all der Wut und Aggression.

Ich hoffe sehr, dass auch in Zukunft alle daran denken, was an diesem Tag passiert ist – an den Zusammenhalt, die Freude an den schönen Bildern, an dem Spaß, der trotz der anfänglichen, negativen Situation aufkam.
Denn wie wir alle wissen; so ist es leider nicht immer.

Wir sind allesamt Menschen und haben allesamt ein Recht darauf, so zu leben, wie wir es möchten – wenn wir niemandem damit schaden.
Nicht nur die szenefremden Menschen können solchen Hass verbreiten…. auch wir Cosplayer.

Geht das nächste Mal über eine Convention und schaut mehr auf das, was euch gefällt, als auf das, was euch nicht gefällt.
Schreibt mal einen Kommentar zu einem Kostüm, welches ihr mögt. Teilt mal ein Foto, welches ihr super findet.
Es kommt nicht darauf an, dass ihr alles und jeden mögt und toll findet. Sondern darauf, sich ein eigenes Bild zu machen und nicht in Hass und Negativität zu versinken.
Cosplay ist ein buntes, facettenreiches und anspruchsvolles Hobby!
Und wir alle wollen akzeptiert werden, nicht verfolgt oder verhasst sein.

Also bitte denkt auch in Zukunft daran, wir sind alle Teil einer Community und es liegt an uns, wie man uns, von außen betrachtet, sieht.

Wollen wir aufgeschlossene, friedliche, wandlungsfähige Künstler sein?
Oder doch nur ‚MangaMissgeburten‘?

Alles Gute
Eure Desiree

Über Desiree

Desiree
Um ein guter Cosplayer zu werden, muss man einen hohen Berg erklimmen... - oder? Stimmt nicht! Alles was ihr braucht ist Motivation, Ehrgeiz, Spaß & vielleicht ein bisschen Mut. ;3 Ich bin Desiree, seit 2010 Cosplayerin und ich möchte euch die Welt rund um Cosplay nahe bringen. Tutorials, Reviews, Erfahrungen.. und ihr werdet merken, so steinig ist der Weg gar nicht!

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2 Meinungen dazu

  1. Meine Freundin hat mir heute morgen erzählt,dass gestern, als sie beim Bogenschießtraining gewesen war wohl ein neuer anwesend gewesen sei. Sie hatte ihre Shingeki-Hose an. Der Kerl soll wohl zi ihr „Hey, Mangamissgeburt“ gerufen haben. Daraufhin hat ihr Trainer ihn hochkant rausgeschmissen :DD Sie selbst fand das eher witzig ^^ xD
    Mich hätt’s glaub ich bissl aufgeregt, aber hey, der Typ ist immerhin rausgeflogen! 😀

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