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Nico Yazawa Sleepwear
Nicht jeder wird deine Cosplays mögen... - aber das ist auch okay so! (Foto von Wolfram@OokamizukinCosplay)

Was ein gutes Cosplay ausmacht

Hallo allesamt!
Trotz Valentinstag möchte ich mich heute übe ein anderes Thema unterhalten, welches mir schon die ganze Woche im Kopf hängt.
Was ist ein gutes Cosplay; ab wann kann man sein Kostüm als gutes Cosplay bezeichnen?

Wenn ich diese Frage in den Raum werfe, werden alle Leute ganz unterschiedliche Vorstellungen eines guten Cosplays haben. Ich hab mich bei Bekannten umgehört und es gab tatsächlich einige Überscheidungen, aber im Endeffekt legt jeder auf andere Aspekte des Cosplayens wert.
Ich möchte daher heute mal ein wenig davon erzählen, was mir alles schon begegnet ist.

Ihr seht auf einer Convention einen Cosplayer und denkt euch ‚DAS hätte man auch besser machen können‘. Oder ihr seht jemanden und denkt ‚Wow, DAS ist ein super tolles Cosplay!‘.
Jeder hatte sicher schonmal so eine Situation. Aber ab wann kann man sein Cosplay denn als ‚gut‘ bezeichnen?

Das Ziel von Cosplay sollte es ja sein, dem gecosplayten Charakter möglichst nahe zu kommen.
Wir können daher erstmal davon ausgehen, dass der Cosplayer ‚genauso aussieht‘, wie die gecosplayte Figur, damit man ihn sofort erkennen und zuordnen kann,
Das Kostüm sollte technisch korrekt genäht sein – wie richtige Kleidung eben – heißt versäuberte Nähte, sauber eingenähte Reißverschlüsse, sitzende Schnitte und saubere Bastelarbeiten.
Die benutzen Stoffe sollten die vorgegebenen Farben haben, kein unnötiger Schnick-Schnack, die Perücke sollte entsprechend gestylt sein und das Make-Up sollte sitzen.
Da wären wir bei der 1:1-Umsetzung.

Kaworu Nagisa
Kaworu Nagisa [NGE] – wohl meine einzige (versuchte) 1:1 Umsetzung eines Cosplays.
Ich persönlich finde, eine 1:1-Umsetzung ist unsagbar schwer; es sei denn, man hat ein vom Aufwand her sehr leichtes Cosplay. Ich denke, ich hab es bisher nur selten geschafft und wenn, dann größenteils nur bei simplen Schuluniformen oder gekauften Cosplays.
Hat man aber detailliertere Cosplays mit viel Kleinkram ist das eine ganz andere Sache. Den perfekten Stoff, die perfekte Borte oder Spitze zu finden ist nicht einfach – und höchstwahrscheinlich auch nicht ganz günstig.
Vor solchen Cosplayern habe ich sehr großen Respekt – auch wenn es absolut nicht das ist, was ich selbst für meine Cosplay als ‚gut‘ empfinden würde.

Im Gegensatz dazu stehen individuell aufgehübschte Cosplays. Cosplays, bei welchen sich der Cosplayer andere Gedanken gemacht hat. Welche Stoffe harmonieren zusammen, beißen die Farben sich, nehme ich vielleicht lieber detaillierte Borte anstelle von Schrägband?

Diese Cosplays heben sich oftmals von der Masse ab, da sie ‚anders‘ aussehen. Natürlich passt sowas nicht bei jedem Cosplay, aber gerade bei protzigen, historischen Gewändern oder Idol-Kostümen lohnt es sich, auch mal etwas mehr daraus zu machen.

UtaPri
Die Mädels von TempiLina Cosplay als Hayato & Tokiya aus UtaPri (Photo by Xx_Lil_xX@Animexx)

Danke an TempiLina Cosplay für das Beispielbild!
Die beiden cosplayen Tokiya & Hayato aus Uta no Prince Sama; hierbei handelt es sich um eine FanArt-Version.
Für Manchette und Kragen haben sie, anders als auf der Vorlage, gemusterte Stoffe genommen, die Schrägbandkanten des Mantels wurden mit Spitzenborte verziert und statt normalem, weißen bzw durchsichtigem Stoff haben die beiden sehr viel Spitze verarbeitet.
Da es sich um Bühnenoutfits handelt, sind die zugefügten Details sehr passend!
Es lohnt sich, darüber nachzudenken, warum und wann solche Kostüme getragen werden.
Während Ballkleider zur viktorianischen Zeit auslandend und voller Spitze, Borte, Musterstoffen und Details waren, sind Abendkleider heuzutage eher schlicht und elegant. Rüschen würden sich daher für erstes zwar super eignen – könnte bei letzterem aber eher lächerlich aussehen.

Nozomi Cosplay
Ein Nozomi Tojo Cosplay, welches ich mit viel Spitze verziert hab.

 

Bei Love Live – School Idol Festival! gibt es beispelsweise tatsächlich die Band Muse, welche Live-Auftritte haben und teilweise tragen sie auch die Outfits aus der Serie. Und wenn ihr euch die anseht, werdet ihr feststellen, dass oft mit schimmernden oder glitzernden Stoff gearbeitet wird, auch wenn sie auf der Originalen Vorlage sehr simpel aussehen.
Woran das liegt? Ein Idol auf der Bühne muss die Aufmerksamkeit auf sich ziehen! Schimmernde, wehende Stoffe, schillernde, knallige Farben und glitzernder Kleinkram helfen dabei, aufzufallen!
Und genau das passiert, wenn mein sein Cosplay individuell dekoriert.
Man fällt auf.

 
Andere Cosplayer sind eben größere Fans vom ‚Play‘. Da kann das Cosplay schonmal etwas unsauber und schlicht sein, aber sobald man passende Bilder hat, den Charakter auf Fotos super darstellt und seine Verhaltensweisen einfängt, wird es as gut betitelt.

Aber es gibt natürlich nicht nur diese Meinungen, die weit auseinander gehen. Gerade von Anfängern kann man keine technisch korrekt genähten Kostüme, perfekt gestylte Perücken und super passendes Make-Up erwarten.
Alles braucht Zeit und oftmals spielt auch Erfahrung eine gewisse Rolle.
Daher ist wahrscheinlich den meisten Cosplayern folgendes wichtig: Mühe, Spaß und Authentizität.

Mühe sieht man dem Cosplay oft an.
Löcher im Stoff, die auf aufgetrennte Nähte hinweisen, sind vielleicht in erster Linie nicht sonderlich schick, aber was sagt es uns? Dass die Person Mühe reingesteckt hat, alles richtig zu machen. Dass Sie einen Fehler gemacht hat, aber gewillt war, ihn auszubessern.
Eine schief geschnittene Perücke? Die Person hat es versucht! Ich bin kein Meister im Perückenschneiden und ich weiß auch, dass ich viele Cosplays mit sowas ruinieren kann. Aber wer nicht versucht, kann nichts lernen, oder? Ist eine etwas schiefe Perücke daher nicht besser als eine komplett ungeschnittene?
Und lacht nicht, nur weil eine Person seltsam in 10cm Absatzschuhen läuft! Vielleicht hat sie das noch nie gemacht oder – und das kennt doch wahrscheinlich fast jeder Cosplayer – die Schuhe haben einem die Füße wundgescheuert.
Die Schuhe dennoch anzubehalten zeigt doch, dass die Person alles geben will. Also Augen zu und durch. (Ich empfehle euch dennoch Ersatzschuhe; eure Gesundheit geht immerhin vor!)

Spaß ist wichtig. Und warum? Weil Cosplay (für die meisten) ein Hobby ist.
Was bringt euch ein Hobby, wenn es keinen Spaß macht?
Natürlich, manche unter uns ackern sich halbtot, um an einem Wettbewerb mitzumachen und zu gewinnen. Das kann auch sehr viel Spaß machen, aber es kann auch sehr frustrierend sein.
Deswegen trefft euch auch mal mit Freuden auf Cons und habt eine schöne Zeit. Traut euch und seid mal etwas In-character. Das kann echt verdammt witzig sein!

Authentische Menschen kennen Ihre Stärken und Schwächen – und leben damit.
Authentizität wurde mir von einigen genannt, die ich fragte, was ein gutes Cosplay ausmacht. Und damit war oftmals gar nicht gemeint, dass man authentisch als der Charakter, den man darstellt, rüberkommen soll, sondern dass man sein Cosplay mit Stolz trägt. Wenn ihr mit eurem Cosplay unzufrieden seid, dann werdet ihr auf andere auch so wirken. Ihr werdet eine negative Ausstrahlung haben und wahrscheinlich weniger Spaß haben, als andere. Und das wäre schade.
Wenn ihr bei der Fertigung euer Bestes gebt, wenn ihr Spaß habt und den Charakter liebt, den ihr cosplayt, wenn ihr im besten Fall noch eine tolle Gruppe habt; dann werdet ihr wahrscheinlich auch ein gutes Cosplay präsentieren können. Aber das heißt nicht, dass ihr euch nicht verbessern könnt. Wer stolz ist auf das, was er kann, wird auch Ehrgeiz haben, sich stets zu verbessern.

Ich erinnere mich an die Frankfurter Buchmesse 2011. Damals trug ich Rin Kagamine [Vocaloid] im Synchronicity-Outfit.

Rin Kagamine [Synchronicity]
Foto von Wolfram@Ookamizukin
Ich habe das Kleid drei mal genäht, weil ich jedes Mal unzufrieden war.
Mein Make-Up war nicht perfekt, ich hatte den falschen Unterrock an, der Reißverschluß des Kleides war unglaublich schlecht eingenäht und die Rüschen waren aus Satin, welcher sehr empfindlich ist und sich beim Nähen arg verzogen hat. Alles in allem ein technisch unkorrekter Näh-Reinfall.
Aber ich hab mein Bestes gegeben, hab so viel Geld wie mir möglich reingesteckt, habe viel ausprobiert und hatte unglaublichen Spaß auf der Con. Ich hab mit Freunden zusammen Fotos gemacht und das sind immernoch meine liebsten Bilder. Und man hat mir die Liebe zu diesem Cosplay wohl angesehen, denn ich habe eine gigantische Rückmeldung erhalten. Aber demnach ist wohl etwas dran, wenn man sagt, dass authentische Cosplayer gute Cosplays machen.


Ich ziehe daraus folgendes Fazit:

Ein gutes Cosplay ist reine Ansichtssache. Jeder setzt andere Prioritäten beim Cosplay. Und nicht jeder wird eure Cosplays gut finden. Aber das ist auch okay; denn kritische Ansichten sorgen für Verbesserungen in allen Lebenslagen.
Sollte euch also mal jemand sagen, dass euer Kostüm zu vollgestopft ist mit Spitze, Borte und Musterstoffen, oder euer Cosplay sei zu schlicht, dann nehmt das nicht als Angriff, sondern denkt mal drüber nach und schaut euch gegebenenfalls mal die Cosplays dieser Person an.
Nur, weil es nicht den Vorlieben eures Kritikers entspricht, muss es nicht schlecht sein.
Seid ihr selbst, gebt euch Mühe – und habt ganz viel Spaß 😉
Das ist das wichtigste beim Cosplay!

Liebe Grüße
Desiree

Über Desiree

Desiree
Um ein guter Cosplayer zu werden, muss man einen hohen Berg erklimmen... - oder? Stimmt nicht! Alles was ihr braucht ist Motivation, Ehrgeiz, Spaß & vielleicht ein bisschen Mut. ;3 Ich bin Desiree, seit 2010 Cosplayerin und ich möchte euch die Welt rund um Cosplay nahe bringen. Tutorials, Reviews, Erfahrungen.. und ihr werdet merken, so steinig ist der Weg gar nicht!

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